Verdrehte Welt

Ziemlich verrückt und doch ganz logisch.

Ich habe mich gerade gefragt, was es eigentlich bedeutet, ‚außenorientiert‘ oder ‚innenorientiert‘ zu sein. Irgendwie scheint mir das ja eine in die Irre führende Unterscheidung zu sein angesichts der Tatsache, ‚wie‘ die Welt in meinen Kopf kommt. Im Außen kann ich definitiv nichts wahrnehmen, alles nur Quantenbrei.

Die Welt, so wie ich sie sehe, existiert doch nur in meinem Kopf. Lässt sich ganz einfach feststellen, wenn man sich den Prozess der Wahrnehmung einmal genau vor Augen hält (was ja auch nicht geht ..). Da kann man dann als Erstes schon mal feststellen, dass unsere Sprache die Wirklichkeit nur metaphorisch und kulturbedingt beschreibt. Also kann ich Wirklichkeit eigentlich überhaupt nicht ‚sehen‘ und auch nicht absolut korrekt darüber sprechen.

In dem Video ‚Quantenphysik und kommunale Intelligenz‘ spricht Gerald Hüther am Ende darüber, dass man seine eigene Subjekthaftigkeit (statt der üblichen Objekthaftigkeit) erkennt, wenn man seine Würde wieder erkennt (was ja auch wieder ganz viel Metaphorik ist) und dass man die im Normalfall auch nicht wieder verliert. Also ich bin immer Subjekt und nie Objekt, wenn ich mein eigenes Menschsein erkannt habe, wenn ich weiß, wer und was ich jenseits von Zuschreibungen und Bewertungen bin, wenn ich also zu meiner Würde gefunden habe.

Was ja nichts anderes bedeutet, dass ich nur solange ‚Objekt‘ bin, solange ich ein unzutreffendes Verständnis von mir selbst (und den anderen) habe. Jiddu Krishnamurti beschreibt es in dem Dialog mit David Bohm in dem Bestreben des Menschen, etwas im Außen sein zu wollen. Ganz allgemein sieht er in der Annahme des Menschen ein aus sich selbst heraus existierendes ‚Ich‘ zu sein das grundsätzliche Problem.

Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt ausschließlich die Welt in meinem Kopf. Die kann ich wahrnehmen, sonst nichts. Wirklich verrückt. Aber was bedeutet das jetzt konkret? Gestern fragte  mich meine Frau, ob sie wohl die Rosen schneiden solle, da ja schon die Forsythien treiben würden. Mein Gedanke vorhin war, warum redet sie nicht mit ihnen? Klingt ein wenig verrückt, aber wir wissen heute, dass Pflanzen miteinander kommunizieren. warum sollen wir dann nicht mit ihnen genauso kommunizieren können? Bei Tieren tut wir es doch auch!

Wenn die Welt nur in meinem Kopf ist und ich im Außen nur etwas wahrnehmen kann, was ich aber nicht sehen kann, denn etwas ‚zu sehen‘ ist immer nur eine Interpretation, dann reden wir irgendwie doch immer nur mit uns selbst, wenn wir mit jemandem reden. Wie gesagt: Ziemlich verrückt und doch ganz logisch.

Es gibt, das alles konsequent zu Ende gedacht, in Wahrheit keine Objekthaftigkeit und nichts was ich außerhalb von mir sehen könnte. Dann bleibt wohl nur die Begegnung im Geist als eigentliche und auch einzige ‚wirkliche‘ Kommunikationsform übrig. Anders kann ich es mir nicht vorstellen. Also täten wir gut daran, uns weniger auf Worte und mehr auf den Geist zu konzentrieren. Vielleicht kämen wir dann leichter aus unserem selbstgebauten Denk-Gefängnis heraus und könnten endlich sagen:

‚Tschüß illusionäre Weltsicht!‘