Verständnis, Wahrnehmung und Weltbild

Unser Verständnis von der Welt und auch von uns selbst definiert, wie wir die Welt wahrnehmen können und was wir zu erkennen in der Lage sind.

Das bedeutet, wenn ich ein, zumindest in Teilaspekten, unzutreffendes Bild von der Welt und damit logischerweise auch von mir selbst habe, dann erkenne und lebe ich auch in einer dementsprechend unzutreffenden Wirklichkeit. Übrigens der Grund, warum ich immer sage, dass man wissen können muss, was man wissen kann, nicht um schlauer zu werden oder zu sein, sondern um falsche Überzeugungen und damit falsche Wahrnehmungen sowie ein daraus resultierendes irriges Weltbild und vor allen Dingen nicht stimmiges Selbstbild aufgeben zu können.

Ein Beispiel: Glaube ich, ich könnte die Welt außerhalb von mir selbst wahrnehmen, blicke ich von mir auf die Welt und interpretiere sie entsprechend. Glaube ich hingegen, dass ich die Welt garnicht wirklich sehen kann, sondern nur das Bild – und nicht einmal ein Abbild! – , das ich (wer oder was das auch immer ist) in meinem Geist gebildet habe, dann dreht sich die Blickrichtung um. Dann geht es eben nicht mehr darum, was der andere denkt, sondern allein darum, was ich denke. Und ich kann nicht einmal mich selbst mit absoluter Sicherheit wahrnehmen und erkennen – alles nur eine geistige Repräsentation und eben auch intellektuelle Interpretation.

Das hat weitreichende Konsequenzen. Mein Verständnis von Wahrnehmung definiert also, was ich wahrzunehmen in der Lage bin. Und damit auch, wie ich über mich und die Anderen denke. Können wir nämlich ‚sehen‘, dass wir die Welt nicht wirklich sehen können, sondern erst einmal nur unsere eigene geistige und intellektuelle Interpretation, dann tauchen unmittelbar sehr interessante Fragen auf. Vor allen Dingen eine: Bedeutet das, dass jeder in seiner eigenen Welt unabhängig von allen anderen Welten lebt – die anderen haben ja dann auch eine -, oder gibt es davon unabhängig nur eine Welt, die wir intellektuell erst einmal nicht wahrnehmen können. Aber das ist noch nicht das Ende.

Wenn wir erkennen, dass wir die Welt nicht unmittelbar sehen sondern nur interpretieren können, dann öffnet es uns – wenn wir es intellektuell für möglich halten! – den Weg zu einer ganz anderen Art der Wahrnehmung, einer Wahrnehmung jenseits jeglicher bewussten Interpretation. Nur muss man da sehr gut aufpassen, dass man nicht in mystizistische Phantasien abdriftet sondern auf dem Boden der Tatsachen bleibt.

Spannend, oder nicht?