Warum ich bin, wie ich bin und warum ich tue, was ich tue

Wieso aber lässt sich das scheinbar nur so schwer ändern?

Das eigene Beharrungsvermögen – ein Thema, das mich schon seit geraumer Zeit immer wieder beschäftigt. Gerade bin ich darüber gestolpert bei der Lektüre des Buches Warum Gedanken stärker sind als Medizin von Lissa Rankin. Und darin habe ich eine Stelle gefunden, wo ich sage: Genau! Exakt so ist es! Aus einem Interview mit Lipton, Autor des Buches Intelligente Zellen, zitiert sie ihn mit diesem Gedanken auf Grund der Erfahrung, die er mit Zellkulturen gemacht hat, die, obwohl völlig identisch, sich ganz unterschiedlich entwickelt haben: 

„Wäre ich eine Art Schulmediziner für Zellen, würde ich die dem schädlichen Milieu ausgesetzten Exemplare als krank diagnostizieren. Dass sie der medizinischen Behandlung bedürfen, ist offensichtlich. Aber eigentlich brauchen sie etwas anderes. Nimmt man sie nämlich aus dem schädlichen Milieu heraus und bringt sie zurück in das gute, genesen sie auf natürliche Weise – ohne ärztliches Zutun.“

Ein Satz, der sitzt. Und der sehr deutlich macht, warum wir so oft etwas nicht hin bekommen, obwohl wir es doch „eigentlich“ wollen. Was ich bin und was ich tue ist eine Folge meiner Glaubenssätze und Ansichten, also der „Programmierung“ meines Denkens. Aber nicht nur das, also das Milieu, in dem ich mich bewege, spielt eine genauso wichtige Rolle dabei. Es ist eines dieser Missverständnisse über das Denken, dass wir uns selbst, also unser Denken und unsere Verhalten sehr oft fragmentiert betrachten, dabei sind sie untrennbar und auch nicht differenzierbar ein und das selbe.

Nur in unseren Gedanken und Überlegungen differenzieren wir sie, was manchmal auch sinnvoll ist, nur darf man nicht über das eine nachdenken und dabei das andere vergessen. Ein fataler Fehler. Wenn ich also merke, dass ich in meinem Leben etwas ändern möchte, wenn ich also mein Denken ändern will, dann heißt das, dass ich auch meine Lebensgewohnheiten ändern muss. Will ich die nicht ändern, werde ich auch weiterhin denken wie bisher auch. Mir Gedanken zu machen bedeutet ja noch lange nicht, dass ich wirklich anders denken würde!

Und das betrifft alles. Wie ich mich bewege, wie ich Auto oder Motorrad fahre, wie ich rede, was ich esse, was ich für Kleider habe, welche Musik ich höre, wie ich meine Wohnung gestalte und, und, und … . Übrigens ist das die Faszination, die, jedenfalls für mich, von Filmen wie Der letzte Samurai oder Die große Stille ausgeht. Diese Filme machen deutlich, dass die Menschen ihr Denken auch wirklich leben. Obwohl das „wirklich“ eigentlich falsch ist, denn wie sie leben zeigt, wie sie denken.

Also muss ich nur einmal sehr genau betrachten, wie ich lebe und ich weiß, wie ich denke. Und will ich das ändern, was ja vorkommen soll, dann muss ich auch beides ändern. Denn wenn ich über „mich“ nachdenke, dann muss ich über alles nachdenken, was mich ausmacht. Da das aber erst beim Kosmos aufhört, ist das natürlich ein bisschen schwierig, das zu fassen zu bekommen. Habe ich also ein aktuelles „Problem“ zu lösen, dann sollte ich alles betrachten, was mich ausmacht, den Betrachtungsraum aber nicht zu groß wählen, sondern nur mein engeres Umfeld. Denn das alles bin „ich“, eben nicht nur der Zellhaufen, der auf dem Stuhl sitzt, in einen Laptop schaut und tippt.

Also was kann ich tun, was sollte ich tun? Natürlich wird nichts wirklich anders und ich tappe weiter nur suchend im Dunklen herum, solange ich keinen Plan habe und kein Konzept, an dem ich mich orientieren könnte. Und das soll man dann auch noch selbst definieren? Natürlich. aber man kann sich ja mal umschauen, was es so gibt.

Da fällt mir gleich etwas ein: Ästhetik.

Nehmen Sie beispielsweise einmal dieses Bild. Es ist, jedenfalls für mich, nicht einfach nur schön, sondern es sagt mir etwas über mich selbst. Ein anderer würde vielleicht dieses Bild nehmen, um Ästhetik zu beschreiben:

Ja, das Foto ist schön, aber ist das auch Ästhetik?

Wie kommt darin „mein“ Verständnis des Seins, also des Kosmos an sich zum Ausdruck, das ich ja auch selbst bin und was ich immer auch in meinen Fotos zu reflektieren suche, und finde ich darin auch das Element der Selbstkultivierung, wie sie in den sogenannten Wegkünsten praktiziert wird?

Damit will ich deutlich machen, dass Ästhetik nicht objektivierbar ist, sondern etwas sehr Subjektives, jedoch keinesfalls beliebig. Daher ist die Frage, welches Verständnis des Kosmos ich in meinem Sein und in meiner inneren Haltung, also in wirklich allem, was mit mir zu tun hat, zum Ausdruck bringe.