Warum nur sind wir so oft Gefangene unserer selbst?

Ganz einfach: Wir machen die Rechnung ohne den Wirt.

Die Rechnung, das ist das, was wir als Ergebnis sehen wollen. Der Wirt, das ist unser Gehirn. Nur das macht selten wirklich das, was wir glauben, dass wir es tun würden. Also ich will jetzt nichts darüber schreiben, warum wir dann, wenn etwas unser Gehirn glücklich macht, genau das Gegenteil tun sollten. Darüber gibt es ein wirklich lesenswertes Buch.

Die Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist, wie man am effektivsten und sichersten seinen eigenen Hemmschuhen entkommt. Ich weiß, das klingt paradox bis zum Abwinken, aber wir Menschen sind nun einmal in dem Spannungsfeld gefangen. Gefangen zwischen unserem natürlichen, also den sogenannten tierischen, aber noch nicht an unsere menschliche Existenz angepassten, instinktiven Reaktionsmustern und dem, was wir ‚eigentlich‘ wollen.

Es gibt drei ‚Zustände‘, zwischen denen wir uns bewegen: Unsere wahre Natur, die die Dichotomie des Menschen nicht nur erkannt, sondern dieses Wissen im eigenen Leben integriert hat, unsere ursprüngliche, in den alten Reaktionsmustern Flucht, Kampf, Wegducken, Unterwerfen und Sich-Tot-Stellen feststeckende Natur und die ‚gedachte‘, vermeintlich willensgeprägte und scheinbar bewusste menschliche Natur. Wobei die erste Natur die beiden anderen Naturen durch das höhere oder darüber stehende Prinzip transzendiert.

Schön, doch wie kommt man da hin? Einfach, indem man vom Ganzen her denkt, sich selbst vom Ganzen her zu verstehen sucht. Nichts anderes hat David Bohm mit diesem Satz gesagt: ‘Es ist unmöglich, zu wahrer Individualität zu gelangen, ohne im Ganzen verwurzelt zu sein. Alles andere ist egozentrisch.‘ Und genau das ist die Programmierung, die wir aus dem neuronalen Netzwerk, das wir Gehirn nennen, herausbekommen müssen. Wie hat schon Einstein gesagt? Anders denken!

Also hören wir auf, auf unseren Meinungen und Ansichten zu bestehen, sofern wir die nicht auf ihre Validität hin genauestens überprüft haben. Lernen wir zu zweifeln, uns selbst anzuzweifeln, nicht uns als Person, sondern unsere Ansichten und Überzeugungen. In diesem Sinne ist ‚gesunder‘ Zweifel definitiv der Schlüssel zu unserem Glück.