Warum sollte man schreiben?

Weil man sich dann selbst nicht mehr entkommen kann.

Herrmann Hesse hat einmal diesen Gedanken für seinen Hausgebrauch notiert:

Wer innerhalb gewisser Grenzen
Die edle Poesie betreibt,
Der ahnt oft nicht die Konsequenzen,
Die er auf sich hernieder schreibt.

Das steht in dem Buch ‚Die Antwort bist du selbst‘, das ich gerade lese. Er hatte das wohl eher auf die Fülle von Zuschriften bezogen, aber ich denke, diese Gedanken gelten auch ganz allgemein.

Das erinnert mich immer daran, dass, als ich einmal wieder an meiner Website am werkeln war, mich ein Freund fragte, warum ich mich immer hinter Zitaten verstecken würde und nicht meine eigene Meinung schreiben würde. Seither schreibe ich in der Regel nur noch, was ich selbst denke.

Mir fällt das gerade auch in den Social Media auf, dass nur wenige eine eigene Ansicht vertreten, ohne sich auf einen anderen zu berufen, durch ein Zitat, mindestens ein grundsätzliches Konzept, dem man folgt. Dabei ist es doch genau umgekehrt. Wir folgen doch immer nur uns selbst, alles andere sind doch nur Verkaufsargumente. Genau so, wie es in dem Vorwort zu dem erwähnten Buch steht: ‚Sagen Sie ja zu sich selbst!

Es ist eine Sache, dass man erst einmal untersuchen sollte, worüber man schreibt. Eine andere Sache aber ist, dass man sich damit festlegt und klar positioniert. Und wer bin ich denn, wenn ich mich nicht klar und eindeutig positioniere? Doch nicht mehr als ein Fähnchen im Wind!

Vor allen Dingen aber muss man die Angst überwinden, etwas Falsches zu schreiben. Denn das wird man! Ich merke immer wieder, wie sich meine Texte, zumindest in Nuancen, verändern. Und genau deshalb habe ich vor nicht allzu langer Zeit alle meine Texte eingedampft, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr mit ganzem Herzen hinter ihnen stehen kann. Aber ich schreibe immer noch weiter, eben anders.

Wenn ich aber nicht wage, etwas zu schreiben, was falsch sein könnte, wie kann ich dann je erfahren, ob das Geschriebene richtig ist oder etwas ganz anderes? Denn das kann ich ja nur im Gespräch erkennen, und dazu muss ich bereit sein, mich zu positionieren. Erst einmal. Damit man weiß, von wo aus ich starte. Das hat nichts damit zu tun, dass man dann im Dialog seine Meinung zumindest für den Anfang beiseite stellt.

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