Was geschieht da gerade in der Welt?

Darauf gibt es zwei Antworten.

Die eine ist, frei nach Asterix, ‚Die spinnen, die Menschen‘. Und zwar auf so ziemlich der ganzen Welt. Als Einzelner kann man ja noch sagen ‚Ich war´s nicht‘, als Nation oder als Gesellschaft wird es da schon schwieriger. Aber hilft es, es auf ‚die anderen‘ oder ‚den Einen‘ zu schieben? Naja, es entlastet das eigene Gewissen ungemein. Aber helfen tut es nicht.

In der Mode spiegelt sich wunderbar, was in den Menschen scheinbar so abläuft: Individualität ist das Stichwort. Einzigartig sein. Besonders sein. Herausragend sein. Dazu passt, wenn sich ein Autofahrer, wie kürzlich geschehen, darüber aufregt, weil ein Sanka sein Auto zugeparkt hatte. Die hatten ja ‚nur‘ ein Kind zu reanimieren. Und er musste doch zur Arbeit! Man könnte sagen, dass die Menschen dabei sind, jeglichen Sinn für Gemeinschaft zu verlieren. Aber stimmt das wirklich?

Diese Frage ist sozusagen die Präambel zur zweiten Antwort. Ich glaube nämlich, dass die Mehrheit der Menschen den Sinn für Gemeinschaft noch nie hatte. Gesetz ja. Auch Moral. Und manchmal auch Gewissen. Aber hat die Mehrheit der Menschen je den Sinn von Gemeinschaft erkannt? Genau das wage ich zu bezweifeln. Denn das hieße, dass sie die Welt erkannt hätten, dass sie sich selbst richtig verstünden. Aber genau das tun sie nicht. Die Menschen leben immer noch in der Vorstellung, von einander getrennte Individuen mit einem aus sich selbst heraus existierenden ‚Ich‘ zu sein. Und sie haben noch nicht erkannt, dass das eine Illusion ist. Damit man mir das eher glaubt, will ich Einstein zitieren. Der ist als Physiker ja eher unverdächtig:

Ein Mensch ist Teil eines Ganzen, das wir Universum nennen, ein in Zeit und Raum begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken, seine Gefühle als etwas vom Rest Getrenntes eine Art optischer Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns, sie beschränkt uns auf unsere persönlichen Wünsche und auf unsere Zuneigung gegenüber einigen wenigen, die uns am nächsten stehen.

Unsere Aufgabe muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir unseren Kreis der Leidenschaften ausdehnen, bis er alle lebenden Wesen und das Ganze der Natur in all ihrer Schönheit umfasst.

Weil die Menschen also ganz grundlegend noch nicht erkannt haben, dass sie nicht voneinander getrennt sind, verhalten sie sich so, wie sie sich eben gerade verhalten. Egoismus pur. Das ist das Eine. Das Andere ist, dass wir wissen, dass jedes Verlassen einer Bewusstseinsebene die Aufgabe von Sicherheit bedeutet, solange, bis man sich auf der neuen, höheren Ebene wieder eingerichtet hat. Und dieser Ebenenwechsel geht logischerweise mit Verunsicherung und krampfhaftem Festhalten am Alten einher, solange man sich nicht bewusst ist, was da gerade passiert.

Heißt das, wir stehen vor einem Bewusstseinssprung beziehungsweise sind mitten drin und es passiert gerade das, was Mahatma Gandhi mit den Worten ‚Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du‘ umschrieb? Genau so sehe ich das! Es ist der Sturm der Entrüstung, das sich Auflehnen und Aufbegehren gegen den Verlust des Alten und Gewohnten. Also nichts Dramatisches, ganz normal. Man muss das nur wissen und darf sich nicht darüber aufregen.

Also cool blieben! Es tut sich was in die richtige Richtung! Bevor sich die Menschen, genauer die Menschheit, als letztlich ein Lebewesen erkennen kann, genauer sich selbst und alles andere auch, müssen sie sich erst einmal als autopietische Wesen erfahren und erkennen. Und das heißt letzten Endes, dass sich jeder eigenverantwortlich selbst organisieren muss; dass es eben keine Wahrheit gibt, nur Wirklichkeiten. Und der Traum von der Wahrheit, dieser illusionäre Glaube, der zerplatzt gerade. Aber das ist wahrlich nicht schlecht, nein, das ist hervorragend!

Also Ruhe bewahren, es ist alles ganz normal. Wichtig ist, dass man sich nicht aufregt, das würde den wichtigen und richtigen Sprung nur hinauszögern.

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