Was heißt es, ein Mensch zu sein?

Was unterscheidet uns vom Tier?

Auf dieses Thema kam ich nach einem Gespräch über Unterschiede zwischen Menschen und Tieren, beziehungsweise, was sie gemeinsam haben. Es ging dabei um die Frage, inwieweit Tiere und Menschen ein und der selben natürlichen Ordnung unterstehen. Betrachtet man das aus der Perspektive des Kosmos, dann tun sie dies natürlich. Betrachtet man es jedoch aus der weltlichen Perspektive, dann wohl nur teilweise.

Mensch und Tier haben, davon gehe ich aus, ein und den selben Ursprung. Irgendwann einmal differenzierte sich die Entwicklung von Menschen und Affen. Warum? Keine Ahnung. Erklärungsversuche dafür gibt es jede Menge, aber da halte ich mich raus. Wirklich keine Ahnung. Nur ignorieren darf man das definitiv nicht, das hätte fatale Folgen. Für Menschen wie für Tiere.

Ich will einen der, wie ich denke, wesentlichen Unterschied aufgreifen: Aggression, Destruktivität und Konstruktivität. Fest steht für mich, dass freilebende Tiere, anders als der Mensch, nicht destruktiv sind. Dass Wildschweine einen Getreideacker zerstören können ist für den Besitzer ärgerlich, aber kein Ausdruck einer feindlichen Gesinnung ihm gegenüber. Diese Art der Aggression ist wohl dem Menschen vorbehalten, genauso wie Wut, Ärger und Hass. Was ich damit sagen will: Wir Menschen können aus einem destruktiven Impuls heraus zerstörerisch sein, sogar selbstzerstörerisch.

Warum das so ist, das ist die eine Seite. Aber die ist unwichtig. Die andere ist die wesentliche Frage, wie wir damit umgehen. Mir fällt da gerade ein Bericht ein, den ich kürzlich las. Zwei SUV-Fahrer wollten einen LKW-Fahrer bei der Polizei anzeigen, weil sie in einer Autobahnbaustelle seinen LKW touchierten, was sie die rechten Rückspiegel kostete. Sie mussten jedoch ohne Ersatz eines Spiegels wieder abziehen, stattdessen mit einer mündlichen Ermahnung (es gibt auch freundliche Polizisten), denn sie hätten aufgrund der Breite ihrer Fahrzeuge überhaupt nicht links fahren und überholen dürfen und zum anderen hatten sie den Sicherheitsabstand von einem Meter nicht eingehalten. Konnten sie auch garnicht.

Das erinnert mich an einen Lao Tse zugeschriebenen Spruch: Geht der Sinn verloren, kommt das Gewissen. Geht das Gewissen verloren, kommt die Moral. Geht die Moral verloren, kommt das Gesetz. Geht das Gesetz verloren, herrscht Chaos. Üblicherweise bewegen wir uns in den Bereichen Gesetz, Moral und Gewissen. Doch was ist mit dem Sinn? Fragen da noch viele danach? Ich denke nämlich, dass genau das letztlich die Frage ist, die uns vom Tier unterscheidet. Wer weiß, ob diese Frage auf uns gewartet hat, jedenfalls ergibt sie sich aus dem Menschsein heraus – und unserer Fähigkeit zur Destruktivität, zu Wut, Ärger und Hass. Ob wir an einen Gott glauben oder nicht – die Sinn-Frage sollten wir uns stellen.

Durch seine Selbstbewusstwerdung ist der Mensch aus der natürlichen Harmonie herausgefallen. Und die sucht er seither wieder zu finden. Doch wir stellen die falsche Frage. Wir suchen nach dem Grund, fragen uns, warum wir sind, wie wir sind. Aber darauf kommt es nicht an, sondern alleine darauf, wie wir sind. Dieser Sinn, den wir erfahren können, ergibt sich nicht aus dem Grund des Lebens, sondern aus der Art, wie wir leben. Alles Natürliche lebt unbewusst in der Harmonie mit allem, wir Menschen müssen das ganz bewusst tun.

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