Was ist eigentlich Leben?

Geht es um das, was ich tue, oder geht es um das Warum und das Wie?

Ich entscheide mich nicht dafür, ein Motorrad zu besitzen, weil ich ein Motorrad besitzen möchte, sondern weil ich Motorrad fahren will. Darum brauche ich auch keine zwei Zimmer, Küche, Bad auf Rädern, sondern ein Motorrad, das zu meinem Lebensstil passt.

Es geht mir nicht darum, irgendwo anzukommen, sondern zu fahren. Und ich gehe auch nicht essen, weil ich Hunger habe, das zwar auch, sondern weil ich ein ganz spezifisches Erleben haben möchte. Da ist er wieder, der Lebensstil. Jeder hat so seinen Lebensstil. Doch was prägt den? Sind es die Erwartungen der anderen an mich? Oder sind es meine eigenen Erwartungen, gleichfalls an mich? Oder will ich mir einfach nur ein schönes Leben machen?

Letzteres ist mir zu seicht, zu lau. Es wird meiner Vorstellung von dem, was ich bin, nicht gerecht. Man stelle sich einmal vor, mein kleiner linker Finger will einfach nur machen was ihm gefällt – und nicht mehr dem ganzen Kerl dienen. So sehe ich das nämlich. Genauso wie es für mich eine obere Instanz gibt, gibt es die auch für Ameisen. Die einzelne Ameise ist, Entschuldigung liebe Ameisen, ja ziemlich doof, aber zusammen sind sie hochintelligent. Könnte man meinen. Sind sie aber nicht!

Sie sind auch zusammen nicht intelligent, keine Schwarmintelligenz! ‚Ihre‘ Intelligenz ist einfach außerhalb von ihnen. Und kann es für die Welt anders sein? Ist die Welt intelligent – oder ist auch ‚ihre‘ Intelligenz nicht in ihr? Doch wir Menschen können uns möglicherweise aus diesem Prozess des Lebens ausklinken und unser eigenes ‚Ding‘ machen. Zumindest scheint das so zu sein. Was weder uns noch der Welt guttut. Aber vielleicht hat ja auch das einen Sinn, dass wir uns selbst den Ast absägen, auf dem wir sitzen, damit wir endlich das Bewusstsein entwickeln, wie es wirklich ist und endlich aufhören, zu sägen? Wäre eigentlich logisch!

Und was ist dann mit den Erwartungen der anderen an mich? Sehr gute Frage! Denn irgendwie habe ich ja scheinbar eine Aufgabe in dieser Welt, so wie mein kleiner Finger eine ganz eindeutige Funktion hat. Das Dumme ist nur, dass ich über diese Aufgabe nachdenke, mein Finger macht das nicht. Der macht, was er macht, nicht weil er das will, sondern weil das System, das ich bin, ihm gerade zu verstehen gibt, er möge bitte mal die Shift-Taste drücken. Wenn ich das einmal auf mich übertrage, dann solle ich  wohl aufhören darüber nachzudenken und auf die Stimme der Welt hören!?!

Irgendwie scheint mir das stimmig zu sein. Das sind dann weder Erwartungen von den anderen noch von mir selbst, sondern ich folge dem Ruf der Welt. Doch den werde ich nicht hören können, solange ich in einer konditionierten Welt lebe oder mit irgendetwas verhaften bin. Anders als die Ameise oder mein Finger muss ich mich selbst in die richtige Haltung bringen. Das habe ich nun davon, ein Mensch zu sein.

Aber noch etwas fällt mir gerade auf. Geht es um eine Aufgabe oder nicht doch eher um eine Funktion, die ich in der Welt habe? Eine Funktion ermöglicht die verschiedensten Aufgaben wahrzunehmen, je nach dem, was die jeweilige Situation ‚verlangt‘. Wenn ich mich auf die Stellenausschreibung eines Schreiners bewerbe und wenn er mich fragt, welche Ausbildung ich habe, mit ‚Jurist‘ antworte, dann wird er mich wohl mit gerunzelter Stirn anschauen. Falsche Funktion.

Doch dieser – meiner – ‚Funktion‘ kann ich erst dann gerecht werden, wenn ich die Welt und mich selbst einigermaßen verstehe. Ich habe gerade vorhin einen Post gelesen, in dem dieser Satz stand: ‚Ganz einfach gesagt, sind wir nicht in Kontakt mit unserer tiefsten Lebensangst.‘ Upps dachte ich, und schon ist die Angst in der Welt. Was wir denken, definiert ja die Welt. Also muss ich ganz vorsichtig an die Sache herangehen und vielleicht erst einmal alle negativen und einschränkenden Gedanken loswerden. Denn ob wir uns unserer Ängste bewusst sind oder nicht, ist doch egal, denn man kann die ganz klar in dem erleben, was wir tun. Und das immer!

Das heißt jetzt nicht, alles zu untersuchen, was ich tue. Dafür ist meine Lebensspanne wahrscheinlich viel zu kurz. Sondern ich muss hergehen und eine Haltung für mich definieren und leben, in der all das ‚Falsche‘ keinen Platz hat. Also ich behaupte einmal, dass das so ist. Muss ich ausprobieren.