Was ist überhaupt wirklich?

Nichts verwirrt mich mehr als die Realität

Ich habe gerade ein Video von ZDFneo mit dem schönen Titel ‚Die Illusion der Wirklichkeit‘ angeschaut. Und ich bin, ehrlich gesagt, verwirrt. Mir geht es vielleicht gerade ähnlich wie es Einstein ging, der zwar nicht mit der Welt, aber mit den Erkenntnissen seiner Kollegen haderte, weil er das nicht in sein Welt- und Gottesbild integriert bekam.

Gott würfelt nicht!‘ Das war seine Meinung. Aber Bohr meinte dazu nur lakonisch, ‚dass es doch nicht unsere Aufgabe sein könne, Gott vorzuschreiben, wie Er die Welt regieren soll.‘ Anton Zeilinger meint dazu, dass Einstein die Tragweite der Erkenntnisse der Quantenmechanik vielleicht am grundsätzlichsten erkannt hat.

Und genau so komme ich mir gerade vor. Ich lese heute früh einen Artikel auf NZZ, dass in Venezuela 60 Prozent der Minderjährigen Anzeichen von Unterernährung aufweisen und 30 Prozent Wachstumsstörungen haben – und am Sonntag wird gewählt. Amtsinhaber Nicolás Maduro hat – obwohl er es war, der das Land mit seiner Politik in die Krise gestürzt hat – gute Chancen auf eine Wiederwahl.

Und das soll ich verstehen können? Mit gesundem Menschenverstand ist da nichts mehr zu wollen. Der ist da definitiv überfordert. Genau das selbe Phänomen haben wir aber auch bei uns. Mit gesundem Menschenverstand kommt man einfach nicht weiter.

Aber wenn ich mir das Video noch einmal vor meinem inneren Augen vorbeiziehen lasse, dann dämmert mir etwas. Ich sehe das Leid auf der Welt immer noch mit meinen vom gesunden Menschenverstand getrübten Augen an. Heißt das jetzt, ich solle das Leid dieser Kinder ignorieren? Sicher nicht! Definitiv nicht!  Aber irgendetwas fehlt mir, um das zu tun, was ich tun kann. Sonst wäre ich nicht so unzufrieden. Wer sich aufregt, der versteht etwas nicht. Ganz einfach. Wobei damit nicht das gemeint ist, was unter dem Titel ‚heiliger Zorn‘ läuft. Das ist was anderes.

Mein Fazit: Ich hänge immer noch irgendwie in der Illusion fest. Das flimmerte heute früh durch meinen Kopf, als mich die Spruchkarte regelrecht ansprang, die im Türrahmen zu meinem Zimmer hängt: Sei die Veränderung, die du dir wünschst für die Welt. Was wünsche ich mir für die Welt? Verstehen! Ganz einfach zu verstehen, was Sache ist. Und zwar grundsätzlich, das erste Fraktal, dessen man habhaft werden kann. Der Rest ergibt sich dann nämlich ganz von alleine.

Und was heißt das jetzt, lieber Mahatma Gandhi? (Von dem ist nämlich der Spruch mit der Veränderung.) Ganz einfach: Ich habe etwas noch nicht kapiert. Ganz offensichtlich. Ein Baustein fehlt mir noch. Es ist ja völlig logisch, wenn ich auf das, was jemanden sagt oder tut, mit Unverständnis reagiere, dann heißt das schlicht und einfach, dass ich etwas über- oder auch gar nicht sehe.

Was ja heißt, dass ich es noch nicht denke oder denken kann. Also fange ich an. Aber ich schaue nicht auf die Anderen, sondern auf mich. Lebe ich im Einklang mit dem, was ich weiß? Das wird mein Thema für die nächste Zeit sein. Ich bin mir sicher, das hebt den Schleier. Auf jeden Fall muss der Unmut raus. Da steckt was drin, was ich erkennen will.

Ohne wenn und aber. Denn wenn ich die Realität als Illusion erkennen kann, dann gibt es auch das Gegenteil. Aber das ist weder die Wirklichkeit noch die Realität. Das ist ja genau die Illusion. Aber wie hat in dem Video einer ganz richtig gesagt? Es ist verdammt schwer, in und mit unserer Sprache darüber zu reden. Und genau damit fängt es für mich vielleicht an. 

Vielleicht nicht die Worte selbst, aber der Umgang damit. Also die Art, wie ich kommuniziere. Darüber muss ich jetzt erst einmal nachdenken. Und das geht am besten auf dem Motorrad mit der Musik meiner Jugend im Ohr. Also dann, ich gehe jetzt erst einmal meditieren. Und Sie vielleicht auch? Aber nicht den Hintern platt sitzen, sondern einfach nicht denken. Dann denkt es nämlich am effektivsten und besten.

Vielleicht ist das ja schon ein Schritt in die richtige Richtung. Was wir normalerweise unter ‚denken‘ verstehen steht ja vielleicht im Dienst der Illusion. Ergo höre ich einfach einmal auf im tradierten Sinn zu denken. Und fange damit an, nur dialogisch zu kommunizieren. Damit generiere ich Realität – aber die ohne Illusion. Absolute Realität hätte Krishnamurti es vielleicht genannt.

Ein interessanter Tanz, der sich da zeigt. Wie tanzen absolute und relative Wirklichkeit miteinander? Was ist das für ein Tanz, Tango, Foxtrott, Walzer oder einfach nur ein Schieber? Oder mal der eine und mal der andere?