Was soll man tun?

Und was kann man überhaupt tun?

Von Adorno stammt der Satz, dass es im Falschen nichts Richtiges gibt. Er bezog das auf das kapitalistische Wirtschaftssystem. Dass das nicht stimmig ist, braucht man nicht groß diskutieren, nur Kapitalisten sehen das anders. Aber die sind ja eigentlich in der Minderheit … . Nun gut.

Wir leben ja nicht von uns, sondern sind von Geschichte, Kultur, Sprache, Menschen, Lebensbedingungen und so weiter und so fort nicht geprägt, sondern wir bewegen uns in einem selbstorganisierten Prozess damit – und nicht darin. Das kann man sich wie ganz viele Teilchen vorstellen, die einer gemeinsamen Strömung folgen. Das Bild hat nur einen Haken, es stimmt nämlich nicht.

Zwar erleben wir uns üblicherweise so, aber wir stehen in unmittelbarer Beziehung zu allen anderen. Wie eine Zelle meines Körpers. Reagiert eine, reagieren alle anderen auch. ‚Gesteuert‘ wird das Ganze durch Gene und Memetik und das interne Kommunikationssystem der Nerven und natürlich durch das Gehirn, das alles mögliche tut, damit das Ganze lebendig bleibt. Ein irgendwie mechanisch anmutender Prozess. Ist es aber nicht, denn über allem schwebt numinoser Geist, der ganz unmittelbar in der Haltung sichtbar wird. 

Da zeigt sich wirklich, wessen Geistes Kind man ist. Und das lässt sich auf Dauer nicht verbergen. Will man also was ändern im Leben, sollte man sehr genau auf sich schauen. Nicht kontrollieren, nur schauen, gewahrsein, wie man ist. Kommt die Einsicht, kommt sie. Wenn nicht, dann nicht. Aber der Geist ist leider nicht vollkommen frei, auch er unterliegt Prägungen. Und manchmal ist er recht verblendet. 

Der Geist der meisten Menschen glaubt irrigerweise an das Bild der vielen Teilchen, die wir Murmeln durcheinander rollen und von magischen Kräften bewegt werden. Aber jede für sich, abgeschlossen, abgegrenzt. Doch das ist ein gewaltiger Irrtum, ein Wahrnehmungsfehler. Körperlich gesehen habe ich einige feste Eckpunkte, Größe, Alter, Geschlecht. Schon beim Gewicht ist Schluss. Und erst recht bei dem, was ich denke. Das ist in ständiger Bewegung. Nur, dass die meisten Menschen dem Murmeltier-Motto folgen. Sie wissen schon. Ewig grüßt das Murmeltier. 

Es werden einfach die immer selben Muster wiederholt. Immer und immer wieder. Bis endlich mal eine oder einer scheitert und es anders macht. Das Dumme ist nur, dass sich die meisten dabei ganz gut fühlen und keinen Sinn darin sehen, ihr Leben zu ändern. Denn leider gilt auch hier Adornos Satz: Es gibt im Falschen nichts Richtiges. Es ist wirklich fatal, wenige wollen Krieg, doch alle schaffen die Bedingungen dafür, ohne dass sie es merken würden – durch Trennung und Differenzierung, wo es die tatsächlich nicht gibt. Und das hört erst auf, wenn man versteht, das man keine Murmel ist, die von magischen Kräften bewegt wird, sondern ein sich selbst bewegendes und gestaltendes Etwas – aber nicht etwa alleine, sondern interdependent.

Angenommen, man hätte dies erkannt: Was ist dann zu tun? Sicherlich nicht weiter wie immer. Also fragt man sich einmal, wie es andere gemacht haben, die sich aus dem  falschen, weil vermeintlich normalen Leben zurückgezogen haben. Die aber wichtigste Frage überhaupt ist sich klar darüber zu werden, was man wirklich will. Denn das bedeutet immer etwas aufzugeben. 

Solange man darüber keine Klarheit hat, tritt man auf der Stelle. Also fängt man damit an. Das Alte lassen.