Was tun, soll es anders werden?

Ganz einfach, etwas anderes tun!

Gerade habe ich im Internet diesen Gedanken von Victor Frankl gefunden, dass der Mensch nicht nur gemäß dem handelt, was er ist, sondern er wird auch, wie er handelt. Viele, leider sehr viele, glauben ja noch immer, dass über etwas nachzudenken schon eine Änderung hervorrufen würde. Oder sie ignorieren, was Martin Buber in seiner Schrift ‚Ich und Du‘ mit dem Gedanken umschrieben hat, dass das Ich am Du erst werden kann. 

Und der Untertitel des Buches? Das dialogische Prinzip. Wir reden so viel über ‚unser Wesen‘, wollen etwas sein, wollen anders leben, und ignorieren dabei das Grundlegende, ohne das es nichts wird, nichts werden kann, weil es bereits ist – nämlich unser Wesen. Was kann dabei herauskommen? Nur ein Sturm im Wasserglas. Tatsache ist, das wir sind. Wir können einfach nichts ‚anderes‘ werden. Gut, wir können anders denken und anders handeln, aber unsere Gedanken und unser Tun, das sind wir nun einmal nicht, unsere Gedanken und unser Tun ist eben nur das, was wir sind, aber eben nicht unser Wesen.

Also sind wir, was wir sind. Und gefällt mir nicht, was ich bin, dann muss ich eben etwas anderes machen. Da ist kein ‚Werden‘, nur ein anders Handeln. Aber zurück zum ‚Dialogischen Prinzip‘. Sowohl bei Buber wie auch bei David Bohm geht es nicht um den Dialog an sich, sondern um die Suche nach Sinn. Und der lässt sich wahrlich nur schwer bis gar nicht alleine finden, denn wir Menschen leben nun einmal nicht alleine.

Es geht im Leben nicht um das, was ist, sonder um das, was ich glaube und damit auch denke. Will ich also aus meiner eigenen Denke raus, brauche ich Input von außen, ohne das geht es nicht. Auch Buddha hat Lehrer gehabt. Was definitiv nicht bedeutet, dass man auf deren Niveau stehen bleibt, man kann auch darüber hinausgehen. Oder dass man gar werden würde wie die. In meinem Leben gibt es Menschen, von denen ich sehr viel gelernt und mit deren Hilfe ich einiges begriffen habe, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass ich die wirklich nicht immer in meiner Nähe haben möchte.

Und das sind auch nicht immer nur die vermeintlich Schlauen oder Weisen, die einem weiterhelfen. Aber ich schweife ab. Fakt ist, dass ich etwas anderes tun muss, will ich anders leben. Mache ich alles wie immer, wird es auch bleiben wie immer. Und bleibe ich in der Konvention und versage mich dem Dialog mit dem und den Anderen, dann wird mein Leben oberflächlich blieben.

Manche sitzen dann da und klagen, dass sie nicht wüssten, was sie machen sollen. Ganz einfach, man sucht sich einen, der es in etwa so macht wie man es auch gerne tun würde, und macht es ihm nach. Einfach exakt kopieren. Setzt natürlich voraus, dass man es auch ernsthaft will. 

Aber das hat auch was Gutes. Macht man es nämlich nicht, dann weiß man, dass man nicht will. Und dann sollte man nichts so tun, als würde man wollen. Das bringt nur Ärger. Es ist alles nicht schwierig, auch wenn wir das oft glauben. ‚Es ist so schwer‘ oder ‚ich weiß nicht, was ich tun soll‘ sind nichts anders als eine Umschreibung für nicht vorhandene Konsequenz. Es gibt übrigens auch keine mangelnde Konsequenz, da gibt es nur an oder aus.

Konsequenz aber braucht Einsicht und nicht einmal eine Entscheidung. Mit Entscheidungen stehe ich mittlerweile ja ziemlich auf Kriegsfuß, ich glaube nämlich, dass wir wirklich nichts entscheiden, sondern nur tun, wie wir uns (nicht die anderen!) programmiert haben. Das, was uns ‚programmiert‘, das würde ich Einsicht nennen. Wir sind ja ein Prozess. Und ändere ich in einem Prozess die Einstellung eines Reglers, passiert etwas ganz anders. Wirkliche Einsicht ist so ein Regler.

Und dann weiß man auch sehr gut, warum sich nichts ändert und warum man nichts anderes tut, denn wenn sich nichts ändert, dann stehen alle Regler immer noch wie vorher schon. Sich dessen bewusst zu sein, statt in einem Traum zu leben, alleine das bringt manche ja zu interessanten Erkenntnissen und damit auch zu Einsichten.

Und damit wird das Ganze rund. Es geht als Erstes tatsächlich nicht um Erkenntnis und Einsicht oder gar um Wissen oder sonst irgendetwas, sondern das erste Fraktal ist die Bereitschaft, zu sehen was ist. Man kann es auch Bewusstheit nennen. Oder absichtsloses (!) Gewahrsein, kombiniert mit ehrlicher (!) Selbstreflexion. Es ist das, was man übrigens nicht lernen kann, dazu muss man einfach nur bereit sein, es zu tun.

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