Was weiß ich schon!

Komische Sache, das mit der Intelligenz.

Also wenn ich einen Vogelschwarm am Himmel sehe oder einen Ameisenhaufen, genauso, wenn ich höre oder lese, wie Pflanzen sich untereinander verständigen, dann frage ich mich immer, wo die bitte ihr Hirn haben. Was schon seit geraumer Zeit den Verdacht in mir aufkommen lässt, dass Gehirn und Intelligenz nicht viel miteinander zu tun haben. Ich glaube mittlerweile, dass mein Gehirn nur so eine Art Speichermedium ist. Und Pflanzen machen es eben nochmals anders beziehungsweise, sie haben sich ganz anders organisiert und nutzen dafür andere Regionen.

Wobei sich da schon die Frage aufdrängt, ob sie sich selbst organisiert haben, Prinzip Selbstorganisation eben, oder ob da noch was anderes die Finger im Spiel hatte und hat. Wären wir Menschen nicht so stolz auf unsere einzigartige Intelligenz, dann würden wir ganz schnell merken, dass Intelligenz, also Lebensintelligenz, ganz offensichtlich nicht an Gehirne gebunden ist. Und das irgendwelchen Instinkten anzulasten greift auch viel zu kurz.

Woher ich das weiß? Das weiß ich von Paul, meinem Enkel. Der kam 2016 auf die Welt und da meine Älteste in der Nähe wohnt, bekomme ich seine geistige Entwicklung ein wenig mit. Ständig macht er neue Erfahrungen. Und um Erfahrungen machen zu können braucht man schon einmal eine gehörige Portion Intelligenz. Ohne Intelligenz keine Erfahrungen. Dabei drängt sich natürlich sofort die Frage auf, warum dann manche bestimmte Erfahrungen machen und andere nicht. Ich glaube des Rätsels Lösung steckt in dem Wort ‚einlassen‘. Wenn ich mich auf etwas oder jemanden einlassen kann, dann öffne ich mich ja vermeintlich einem anderen. Das tue ich auch, klar, aber ich öffne mich, genauer betrachtet, der durch ihn fließenden Intelligenz.

Ich kann mir ja mit wachsender Begeisterung Science-Fiction-Filme anschauen, Krieg der Sterne etwa. Dieser Spruch ‚Die Macht sei mit Dir!‘ hat mich schon immer total angemacht. Und obwohl ich es nicht so mit den Religionen habe, aber die Sache mit dem ‚heiligen Geist‘, die hat etwas. Gratia gratuita, die geschenkte Gnade. Ich störe mich nur an dem ‚schenken‘ und auch auch an der ‚Gnade‘, beides kann allzu leicht missverstanden und damit auch missbraucht werden. Ich denke, man muss einfach nur offen für diese kosmische Intelligenz sein und aufhören, sie mit irgendwelchen gedanklichen Vorstellungen in Verbindung zu bringen.

Was natürlich sofort die Frage aufwirft, wie man dafür offen werden kann! Das ist ganz schön vertrackt, denn dafür offen ist man wohl nur dann, wenn man nichts mehr für sich selbst zu erreichen sucht. Da werden jetzt viele sagen, dass sie doch gar nichts für sich wollen und immer nur für die anderen da sind. Wer sein Licht unter den Scheffel stellt, der macht letztlich das Selbe wie derjenige, der sich für besonders wichtig hält, er handelt nämlich aus eigennützigen Motiven heraus. Und dass das den Betreffenden oft nicht bewusst ist, macht es leider nicht besser.

Heißt das jetzt, dass ich intelligenter werde, wenn ich meine Selbstbezogenheit aufgebe? Irgendwie schon, jedenfalls glaube ich das. Ich such mir schon einmal einen Schrank für mein Ego, in das ich es verräumen kann oder noch besser gleich ein Schwarzes Loch, auf dass es für immer verschwindet.