Wie das Leben besser gelingen könnte

Langsamer scheint mir definitiv schneller zu sein.

Dazu fällt mir ein Ausspruch von Blaise Pascal ein: ‚Ich schreibe dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, einen kurzen zu schreiben.‘ Manchmal wird der Satz auch Voltaire, Goethe, Twain oder Marx zugeschrieben. Carl Popper beschreibt das so: ‚Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.‘ Ich seh schon, wie manche jetzt über die Länge meiner Texte grübeln. Aber das ist nun mal meine Art, nachzudenken.

Denke ich beispielsweise über Kommunikation nach, kommt mir als erstes immer das Eisbergmodell und das Pareto-Prinzip in den Sinn, das ja irgendwie nur ein Modell ist. Wenn ich doch nur 20% bewusst wahrnehmen kann, 80% aber nicht, dann heißt das letztlich doch, dass ich nichts wirklich wissen kann. Was mir bewusst ist, sind doch immer nur die Symptome, nie aber die Ursachen. Viele Raucher sagen beispielsweise sehr bewusst ‚Ich gehe jetzt eine rauchen‘, wissen aber definitiv nicht, warum sie überhaupt eine Zigarette rauchen wollen.

Da ist mal wieder Husserls Phänomenologie am Anklopfen. Ich will einen Kaffe, aber ich weiß nicht warum. Vielleicht habe ich dafür Erklärungen, doch ob die wirklich stimmen? Keine Ahnung! Da scheinen mir die Untersuchungen von Libet doch eher geeignet zu sein, um der Frage nach dem nachzugehen, was mir bewusst ist. Einfach deshalb, weil die Untersuchungsergebnisse verifiziert sind. Danach werden mir Dinge, wie etwa die Lust auf eine Tasse Kaffee, erst hinterher bewusst. Das Warum aber bleibt verborgen.

Und daraus kann man einen grundsätzlichen Schluss ziehen, wenn man das einmal genau betrachte. Mit der Zeit wird einem nämlich allmählich klar, dass das immer so ist, ausnahmslos. Ich weiß wohl, was ich will, aber ich kann einfach nicht wissen warum. Ich kenne den Grund nicht, kann ihn auch nie kennen, allenfalls kann ich ihn ahnen. Das Leben ist und bleibt eben ein Phänomen. Aber wir sind kein Blatt, das dahin fliegt, wohin der Wind weht. Sondern wir definieren durch die Art, wie wir leben, durch unsere Haltung und unser Denken den Raum, in dem sich unser Leben ereignet. 

Damit haben wir zwar nicht die Kontrolle über das, was sich in unserem Leben ereignet, aber wir geben vor, mit welcher Intention, welcher Ausrichtung wir auf die Ereignisse in unserem Leben reagieren. Wir reagieren noch immer nicht vorhersagbar, und doch ist es im Nachhinein logisch, wie wir reagieren werden. Wir haben eben eine klare Anleitung in uns, wie wir reagieren. Nur ist die uns nicht bewusst, es sei denn, wir entschließen uns eine Art Stylesheet für unser Leben anzulegen.

Doch das setzt eben voraus, langsam zu werden, nicht seinen Impulsen unmittelbar zu folgen, sondern sich immer bewusst zu sein, dass wir das ‚Warum‘ nicht wissen können, aber wir können uns selbst Handlungsregeln geben. Also werden wir langsam, lassen eine Pause zwischen Reiz und Reaktion entstehen, wie Viktor Frankl  es formuliert hat, denn dort liegt ein Raum, in dem liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. Aber das setzt einen Plan voraus, sonst werden wir es doch wider lassen. In unseren Reaktionen liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Was aber können wir mehr wollen mehr als das?