Wie geht das mit der Verletzlichkeit überhaupt?

Die Sache mit dem Selbstbild.

Da fällt mir gleich der Film ‚Im Namen der Rose‘ ein. Der Franziskaner ‚William von Baskerville‘, einer der beiden Protagonisten des Romans, ist ja regelrecht Programm. Sein Vorname ‚William‘ und seine philosophisch-erkenntniskritische Grundhaltung verweisen auf den Scholastiker Wilhelm von Ockham, dessen Rasiermesser, ‚Ockhams Rasiermesser‘, viel, viel öfter Anwendung in Gesprächen und Auseinandersetzungen finden sollte. Und sein Name ‚Baskerville‘ spricht ja auch Bände, ist er doch eine Anspielung auf John Baskerville und den Detektivroman ‚Der Hund von Baskerville‘ und damit der Hinweis, dass man auch in scholastischen Diskursen wie ein Detektiv vorgehen und mit der Nase eines Bluthundes der Spur der Wahrheit folgen sollte. Oder eigentlich muss.

Und genau diese Haltung sollte man einnehmen, spricht man über ‚Verletzlichkeit‘. Das mit dem Verletzen ist nämlich so eine Sache. Kann man ein Kind verletzen? Wohl ja, aber da halte ich mich immer raus, ich bin keins mehr und ich denke auch nicht mehr wie ein Kind. Zumindest glaube ich das, obwohl ich da schon meine Zweifel habe, denn ich weiß nicht, ob Kinder anders als Erwachsene denken. Ich bin jedoch erwachsen, jedenfalls älter. Und damit ha sich bei mir etwas entwickelt, nämlich die Vernunft. Als ich hoffe es. Und wenn ich es vernünftig betrachte, dann begreife ich sehr leicht, dass mich tatsächlich niemand verletzen kann. Außer, er haut mir auf den Kopf. Jede geistig-emotionale ‚Verletzung‘ entsteht doch immer nur in meinem Kopf. Ich kann doch nur verletzt sein, wenn ich eine Bemerkung persönlich nehme, wenn ich (!) sie auf mich beziehe und ihr dann auch noch eine Bedeutung beimesse. 

Es geht um nichts anderes als die Integrität meines eigenen Selbstbildes. Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen. Integrität des eigenen Selbstbildes. Was aber steckt dahinter? Ich will etwas darstellen, will ein ganz spezifisches Image von mir selbst aufrecht erhalten. Das heißt also, ich will ein Bild von mir erzeugen, was wiederum bedeutet, dass ich mein wahres Gesicht nicht bereit bin zu zeigen, sondern ich schiebe eine Maske, ein Image vor, hinter dem ich mich verstecken kann. Und das hat mir auch geholfen, aus den Gefühlen und Emotionen meiner Kindheit auszusteigen. Ich sehe meine Kindheit nicht als Kind, sondern als der Erwachsene, der ich bin.

Was also will ich in einem Gespräch erreichen? Worum geht es mir? Geht es mir wirklich um das angesprochene Thema oder geht es mir doch eher um die Integrität meines Selbstbildes?