Wie kann ich die Menschheit und die Welt in Ordnung bringen?

Wohl nur, indem ich mich selbst in Ordnung bringe.

Eine Gruppe von Menschen ist ein System und organisiert sich nach systemischen Regeln. Zugehörigkeit, Ordnung, Anerkennung und Ausgleich gehören dazu. Die ganze Natur ist ein solches System und eben auch der einzelne Mensch, genauso wie die Familie bis hin zur Menschheit. Ein System, zwar in sich differenziert, aber eben Eines. Und das organisiert sich nun mal selbst.

Das vermeintliche ‚fressen und gefressen werden‘ der Natur ist ja nichts anderes, als eine sehr differenzierte und fragile Funktion, die das ganze System der Natur überhaupt erst lebensfähig macht. Und in dieses System greift der Mensch gewaltig ein und ist dabei, es vielleicht zu zerstören. Also was tun?

Bei der Antwort, die mir dann schnell auf der Zunge liegt, kommt mir eine ganz andere Überlegung in die Quere: Das Außen ist eine Illusion. Und das, was wir üblicherweise unter ‚Innen‘ verstehen, ist letztlich nicht in ‚mir‘ oder ‚uns‘; es ist noch weiter außen. Also irgendwie. Da stößt man an die Grenzen der Sprache; man kann die letzte Wirklichkeit einfach nicht mit ihr wiedergeben.

Und dann kam mir heute noch dieser Spruch von Lao Tse unter: Erkenne also die Welt, ohne vor die Tür zu treten, erkenne das Wetter, ohne aus dem Fenster zu schauen; je weiter du hinausgehst, desto geringer ist dein Wissen.

Klingt, also wollte der alte Lao Tse bestätigend mit seinem Kopf nicken. Und ich erkenne noch immer nicht das Wetter, ohne aus dem Fenster zu schauen. Das würde bedeuten, dass ich wie auch jeder andere Mensch über wesentlich mehr implizites Wissen verfüge, als wir üblicherweise ausdrücken. Oder auszudrücken in der Lage sind. Was natürlich sofort die Frage aufwirft, was verhindert eigentlich, dass dieses Wissen auch explizit wird, denn da ist es ja ohne Frage.

Nur, dass das keiner glaubt. Und schon ist es blockiert. Was wir nicht glauben und denken ist für uns auch nicht existent. Und was wir nicht denken können wollen wir auch nicht wissen, denn wir wollen das eigene Selbst- und Weltbild ja nicht der Gefahr aussetzen, dass es Risse bekommt und am Ende noch in einem einzigen Scherbenhaufen endet. Das gilt leider auch für mich wie für alle Anderen. Die interessante Frage ist demnach:

Was verdammt kann ich nicht oder will ich nicht denken?