Worüber es zu reden lohnt

Wir sollten öfters einmal überlegen, warum wir über das reden, worüber wir eben reden.

Gespräche sind eine unverstellte Form sich zu begegnen, gerade auch dann, wenn wir nicht sagen, was wir in Wirklichkeit denken. Ihr Inhalt sagt viel darüber aus, wie wir dem anderen zu begegnen bereit sind. Und damit zeigen wir dem anderen, wessen Geistes Kind wir sind – ob wir das wollen oder nicht.

Wie weit sind wir bereit, uns dem anderen zu zeigen? Oder verstecken wir uns lieber hinter unverfänglichen Themen oder konventionellem Smalltalk statt dass wir über das reden, was uns im Innersten beschäftigt? Das können wir unmittelbar und nicht zu leugnen an den Gesprächsthemen erkennen. Reden wir lieber über andere als über uns selbst? Reden wir autopoietisch oder dualistisch? Und so weiter und so fort.

Sind wir uns wirklich bewusst, worüber wir reden, dann sollten wir vielleicht doch einmal ernsthaft darüber nachdenken, was wir gerade mit dem gewählten Thema zu erreichen suchen. Lösen wir uns damit aus der allgegenwärtigen Illusion oder drehen wir uns nur wieder einmal mehr im Kreis?

Wir sollten also eine ernsthafte Antwort auf die Frage geben können, worüber es sich für uns zu reden lohnt. Doch die Sache hat einen Haken. Woher sollen wir denn wissen, worüber sich zu reden lohnt? Kürzlich habe ich über einen KI-Computer gelesen, der besser Go spielt als jeder Meister dieses Spiels. Das Besondere ist, dass ihm das Go spielen nicht beigebracht wurde, nur die Regeln. Den Rest brachte er sich selbst bei. Eine Maschine!

Das wirft die Frage auf, wo der Unterschied zwischen Mensch und Maschine eigentlich liegt. Und es ist sicher nicht die Frage, ob wir der Maschine trauen können. Das können wir bei Menschen oft auch nicht. Aber genau darüber sollten wir reden. Etwa über Vertrauen. Was ist Vertrauen überhaupt? Oder Ehre. Werte. Richtig und falsch. Da gibt es jede Menge Annahmen, über die wir reden sollten.

Den wir wissen erst dann, worüber sich zu reden lohnt, wenn wir uns aus unserem gedanklichen Gestrüpp von Annahmen, Erwartungen, Selbstverständlichkeiten et cetera befreit haben. Mit anderen Worten, wenn wir die Welt und uns wirklich sehen können.

Darüber sollten wir reden, über das was wirklich wirklich ist, und nicht über unsere Annahmen über Wirklichkeit. Und aufhören, über Unnötiges zu reden, nur um ertragen zu können, dass wir uns im Grunde nichts zu sagen haben.